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Berliner Recycling- und Rohstoffkonferenz
Trends und Technologien
04. und 05. Mai 2010
in Berlin
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Tagungsort

Hotel Berlin  
Lützowplatz 17
10785 Berlin
 
Telefon: +49 (0)30 26 05 - 0
Telefax: +49 (0)30 26 05 27 16
 
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Medienpartner
RECYCLING magazin
AT Aufbereitungstechnik
 
Tagungsbericht zur Konferenz
250 Fachleute diskutierten über Rohstoffe und Recycling in Berlin

Recyclingstrategien – Aufbereitungstechnik – Kunststoffe – Metalle – mineralische Rohstoffe – Fahrzeuge – Elektro(nik)geräte – Batterien – Photovoltaikmodule


Der Rohstoffmarkt braucht mehr Sekundärrohstoffe. Der Gesetzgeber setzt daher die stoffliche Verwertung auf der Prioritätenliste im neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz ganz nach oben.
Das Recycling hat sich von einfachen Erfassungs- und Verfahrenstechniken zu differenzierten Vorgehensweisen und Technologien entwickelt. Die Vielfalt und Komplexität der zu Abfällen gewordenen Produkte und der Anspruch der Ressourcenschonung stellen große Herausforderungen dar.
Wenn auch der Begriff Recyclinggesellschaft übertrieben erscheint, so gilt doch, dass sich die Abfallwirtschaft auf dem Weg zur Ressourcenwirtschaft befindet. Es reicht aber nicht aus, Recycling um jeden Preis zu fordern und zu betreiben, weil einige Bestandteile der Produkte bei ihrer Freisetzung in der Umwelt als Schadstoffe wirken, die nicht ubiquitär verteilt werden dürfen. Der Ausdruck hochwertige Verwertung muss daher konkretisiert werden; gefordert werden hochwertige Recyclingprodukte, aber die Recyclingverfahren und -produkte müssen umweltverträglich gestaltet werden. Stichworte sind: Energie- und Ressourceneffizienz, aber auch Immissionsschutz.

Noch vor wenigen Jahrzehnten wäre die Behauptung vermessen gewesen, dass Recycling einen wesentlichen Beitrag zur Rohstoffwirtschaft leisten kann und muss. Recycling ist eng mit der Entwicklung der Abfallwirtschaft verbunden, deren notwendige Ordnung auf Bundesebene politisch erstmals in der 6. Wahlperiode (1969 bis 1972) mit dem Umweltprogramm der Bundesregierung formuliert wurde. Rechtliche Regelungen für einzelne Abfallarten, z.B. für Altöl, die Auto-Verschrottung, einschließlich der Altreifen, wurden schon in der 5. Wahlperiode (1965 bis 1969) erlassen.

Die Entwicklung von der Abfallbeseitigung zur Ressourcenwirtschaft lässt sich auch an der Namensgebung für die Gesetze ablesen: Die erste einschlägige Rechtssetzung in Deutschland war das 1972 erlassene Abfallbeseitigungsgesetz, 1986 hieß es Abfallwirtschaftsgesetz, 1994 Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz. 2010 muss die EG-Abfallrahmenrichtlinie in nationales Recht umgesetzt werden. Die Präzisierung der Ziele wird mit dem Wegfall des Begriffs Abfall deutlich. Zukünftig heißt es nur noch Kreislaufwirtschaftsgesetz.

Die aktuelle politische, rechtliche, wirtschaftliche und technische Situation des Recyclings und der Sekundärrohstoffwirtschaft sowie die zukünftigen Entwicklungen und Perspektiven wurden am 4. und 5. Mai 2010 auf der dritten Berliner Recycling- und Rohstoffkonferenz – Trends und Technologien – von über zweihundertfünfzig Fachleuten und Entscheidungsträgern aus Politik, Behörden, Entsorgungswirtschaft, Wissenschaft, Ingenieur- und Beratungsbüros sowie Anlagenbau und -betrieb diskutiert.

Eröffnet wurde die Konferenz mit einem Überblicksvortrag von Professor Thomé-Kozmiensky. Dr. Kögler von der EU-Kommission stellte die Ressourcen- und Recycling-Strategie der Europäischen Union vor. Über die Neuerungen im Kreislaufwirtschaftsgesetz berichtete Ministerialrat Dr. Petersen vom Bundesumweltministerium. Die Erwartungen an den Bundes-Gesetzgeber präzisierte Ministerialdirigent Dr. Jung aus Rheinland-Pfalz.

Über die brisante und für die Recyclingwirtschaft existentielle Abgrenzung von Abfall zu Produkt, also über das Ende der Abfalleigenschaft sprachen Professor Andrea Versteyl und Dr. Rainer Cosson.
Der Entsorgungswirtschaft kommt bei den ersten Verwertungsstufen – Sammlung und Aufbereitung der Abfälle zur Verwertung – besondere Bedeutung zu. Hier stehen kommunale und private Unternehmen im Wettbewerb. Vorstandsmitglieder und Geschäftsführer öffentlich-rechtlicher sowie großer und mittelständischer Unternehmen stellten ihre Strategien vor.

Weitere Schwerpunkte waren die Primär- und Sekundärressourcen unter den Gesichtspunkten Verfügbarkeit, Rohstoffmärkte und europäische Ressourcenwirtschaft. Professor Daniel Goldmann von der Technischen Universität Clausthal leitete mit einem Blick auf die Perspektiven des Recyclings auf die vorwiegend technischen Fachvorträge des zweiten Konferenztages über.

Hier wurde z.B. über Zerkleinerung, Elektroscheidung, Luftherde und automatische Sortierung berichtet, ebenso über Erfahrungen und Perspektiven des Anlagenbaus.
Einzelne Stoffe und Stoffgruppen wurden differenziert betrachtet, z.B. Kunststoffe, mineralische Rohstoffe und Metalle.
Aus produktbezogener Perspektive wurde das Recycling von Fahrzeugen, Elektro- und Elektronikgeräten, Batterien sowie Photovoltaik-Modulen beleuchtet.

Die Entwicklung der Recyclingtechnologien wird weiter gehen. Folgende Tendenzen sind erkennbar:

• Die Aufbereitungsmaschinen werden unter Berücksichtigung der
Abfalleigenschaften weiter entwickelt, neue Verfahren kommen hinzu.
• Die mechanische Aufbereitungstechnik wird durch chemische und thermische Verfahren ergänzt, damit die Forderungen der verwertenden Industrien erfüllt werden können.
• Die Qualität und der Schadstoffgehalt der Abfälle, insbesondere die von komplexen, zu Abfall gewordenen Gütern – z.B. von Altfahrzeugen, Flugzeugen, Elektro- und Elektronikschrott – müssen weiter untersucht werden. Das ist die Voraussetzung für die Weiterentwicklung von Aufbereitungs- und Verwertungsverfahren.
• Die Verfahren werden spezifisch für die unterschiedlichen Abfallarten entwickelt, wie eindrucksvoll für Altkunststoffe, mineralische Abfälle, Altfahrzeuge, Elektro- und Elektronikaltgeräte, Altbatterien und Photovoltaik-Module vorgetragen wurde.

Diese Entwicklungen sind auch für die Erfüllung der anspruchsvollen Vorgaben des Ressourcen- und Umweltschutzes notwendig. Neue Herausforderungen werden dazukommen, z.B. durch die Entwicklungen im Energiesektor – Stichworte sind Elektromobilität, Photovoltaik und Windräder.

Die Gewinnung von Sekundärrohstoffen aus Abfällen ist nicht nur wegen der Endlichkeit von Lagerstätten notwendig, sondern auch, weil einige Lagerstätten in Ländern konzentriert sind, die durch politische Instabilität oder Protektionismus gekennzeichnet sind. Für einige seltene Metalle wird das Recycling die unabdingbare Voraussetzung für die weitere Verfügbarkeit von Technologien im Bereich der erneuerbaren Energien sein.

Neue Chancen eröffnen sich mit den Entwicklungen der Entsorgungswirtschaft nicht nur in der Europäischen Union, wobei die Geschwindigkeit der Entwicklungen in den Mitgliedsstaaten durchaus unterschiedlich ist. Besondere Chancen sehen kapitalstarke Entsorgungsunternehmen, aber auch der Maschinen- und Anlagenbau, der vom Vorsprung der Länder mit entwickelter Kreislaufwirtschaft profitieren wird.

Die rund fünfzig Fachbeiträge der Berliner Recycling- und Rohstoffkonferenz sind als Fachbuch mit zahlreichen farbigen Abbildungen und einem Schlagwortverzeichnis in der Buchreihe Recycling und Rohstoffe erschienen und können unter www.vivis.de bestellt werden

Recycling und Rohstoffe, Band 3
Herausgeber: Karl J. Thomé-Kozmiensky und Daniel Goldmann
ISBN: 978-3-935317-50-4
Seitenzahl: 750 S.
Ausstattung: gebundene Ausgabe mit zahlreichen farbigen Abbildungen
Preis: 50 EUR