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Berliner Abfallwirtschafts- und Energiekonferenz
Optimierung der Abfallverbrennung
27. und 28. Januar 2010
in Berlin
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Tagungsort

Hotel Berlin  
Lützowplatz 17
10785 Berlin
 
Telefon: +49 (0)30 26 05 - 0
Telefax: +49 (0)30 26 05 27 16
 
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E-Mail:    info@hotel-berlin.de
 
Förderer
EnBW Energie Baden-Württemberg AG
swb Entsorgung GmbH
Von Roll Inova GmbH
Kvaerner Power Oy
Tagungsbericht zur Konferenz
Impressionen zur Berliner Abfallwirtschafts- und Energiekonferenz


Tagungsort





Anmeldung und Buchausgabe






Referenten












Vortragsveranstaltung









Kommunikationspausen















Abendveranstaltung









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Optimierung der Abfallverbrennung
– Energieeffizienz, Qualitätsmanagement und Anlagenverfügbarkeit –


1. Abfallaufkommen und Entsorgungswege

In Deutschland wurden im Jahr 2005 nach Angaben des Statistischen Bundesamts etwa 35,7 Millionen Tonnen Siedlungsabfälle behandelt.

2. Recycling

Recycling steht nach der Abfallvermeidung und der Wiederverwendung ganz oben auf der Prioritätenliste der neuen EG-Abfallrahmenrichtlinie, die noch in diesem Jahr in nationales Recht umgesetzt werden muss. Recycling hat in Deutschland eine lange Tradition, die weit vor dem ersten Abfallgesetz begann. Aus der Sammlung von Stoffen, die sich leicht verwerten lassen, ist ein hochkomplexer Industriezweig entstanden, der der Vielfältigkeit der Produkte, der Verfügbarkeit von Rohstoffen, dem energetischen und logistischen Aufwand sowie den Märkten Rechnung tragen muss.

Diesen Anforderungen trägt ein stetig wachsender Wirtschaftszweig Rechnung. Mit der Entwicklung von mechanischen, thermischen und chemischen Verfahrenstechniken wurden im Verlauf der letzten Jahrzehnte immer größere Abfallmengen der hochwertigen stofflichen Verwertung zugänglich gemacht. Es kommt auf das Wort hochwertig an. Hochwertig ist die stoffliche Verwertung, wenn die gewonnenen Produkte hochwertig sind und der Verwertungsprozess hinsichtlich Ressourcen- und Energieeffizienz sowie des Klimaschutzes ökologisch und ökonomisch vertretbar ist.

Hier sei ein kurzer Exkurs zum Thema Recycling-Visionen erlaubt.

Der Umweltvisionär Professor Michael Braungart, Chef der Firma EPEA kritisiert den derzeitigen Umgang mit Abfällen und propagiert den Umbau unseres Wirtschaftssystems. Quelle: u.a. Die Zeit; Nr. 47, 12. November 2009


Seine Forderung
Alle Produkte sollen so konzipiert sein, dass sie sich in anderer Form weiter verwerten lassen:

• Schuhsohlen, Bremsbeläge oder Verpackungen sollen ohne organische und umweltschädliche Rückstände produziert werden, so dass sie als Nährstoff in den biologischen Kreislauf rückgeführt werden können.

• Fernseher, Möbel und Teppiche sollen nicht gekauft, sondern verliehen und von den Produzenten zurückgenommen werden. Verwendbare Bauteilen sollen in den technischen Kreislauf eingespeist werden und im ewigen Fluss bleiben.

• Produkte sollen so hergestellt werden, dass beim Recycling keine umweltschädlichen Rückstände ausgeschleust werden müssen, z.B. Schwermetalle, Weichmacher und Bleichmittel beim Papierrecycling.

Die Erfüllung dieser Forderungen würde den vollständigen Umbau nicht nur unseres Wirtschaftssystems bedeuten.

Hier nur ein konkretes Beispiel aus dem Forderungskatalog:

Z.B. sollen wasserfeste Bücher auf Kunststoff gedruckt werden; die Tinte soll zurück gewonnen, der Kunststoff sortenrein eingeschmolzen werden und als Ausgangsmaterial für neue Bücher zur Verfügung stehen.

Gegen dieses Konzept spricht viel:

• Das Kunststoff-Buch wiegt doppelt so viel wie ein Buch aus Papier.
• Wer braucht ein wasserfestes Buch?
• Bücher haben eine lange Lebensdauer und sind für Recycling-Ansätze kaum geeignet.

Auch für die Herstellung von Zeitschriften ist die Idee nicht plausibel, z.B. weil

• der Kunststoff nicht gefaltet werden kann,
• das Material zu schwer ist,
• das Gesamtsystem völlig umgebaut werden müsste.

Plausibler wären daher schon Internetzeitschriften.

Auch seine anderen Projekte sind zwar öffentlichkeitswirksam, doch letztlich nicht zu Ende gedacht, z.B.

• Polster prinzipiell aus kompostierbaren Textilien, wie die Sitze im Airbus 380,
• Windeln, die Wasser binden und mit denen nach Gebrauch die Wüste begrünt werden
soll,
• Herstellung aller Wegwerfprodukte aus organisch abbaubarem Material.

Nüchtern ist daher die Beurteilung des Umweltbundesamtes:

Braungart argumentiert sehr generell und auf einem hohen Abstraktionsniveau. Seine Vorschläge machen sich gut in Sonntagsreden, sie hören sich sehr gut an. In der praktischen flächendeckenden Umsetzung stoßen wir aber auf zahlreiche Grenzen, die uns politische und ökonomische Rahmenbedingungen setzen.

Unbestritten ist, dass Braungart ein guter PR-Profi und Geschäftsmann ist. Seine Firma verkauft auch Zertifikate an Unternehmen, die bescheinigen, wie weit Unternehmen bei der Umstellung auf eine nachhaltige Produktion schon gekommen sind.

Das erinnert an den Ablass-Handel des frühen 16. Jahrhunderts. Derartige Zertifikate sind vielleicht eine gute Geschäftsidee. Sie bringen der Umwelt aber nichts und können das Ansehen der Firmen nicht nachhaltig mehren, schon weil ihnen die öffentliche Legitimation fehlt.

Man könnte ruhig zur Tagesordnung übergehen, wäre Herr Braungart nicht ein begnadeter Propagandist mit großer Öffentlichkeitswirkung.

Die Akteure der Abfallwirtschaft sind gefordert, sich offensiv und argumentativ mit den Braungart´schen Thesen auseinanderzusetzen und diesen die eigenen Vorstellungen gegenüber zu stellen:

1. Die bisherigen Erfolge und die Weiterentwicklungen

• der Abfallvermeidung,
• des Recyclings,
• der energetischen Verwertung

müssen immer wieder öffentlichwirksam herausgestellt werden.


2. Die Komplexität und Vielfalt der Produkte:

Folglich sind pauschale Rezepte wie Forderungen nach

• genereller Vermeidung schädlicher Rückstände,
• Herstellung aller Wegwerfprodukte aus organischem Material

nicht zielführend;

3. Die Vernetzung der globalen Wirtschaft:
In einzelnen Ländern sind völlige Änderungen des Produktdesigns und restriktive Maßnahmen schon aus rechtlichen Gründen nicht durchsetzbar und wirtschaftlich auch nicht wünschenswert.


3. Verbrennungsanlagen behindern das Recycling nicht

Häufig wird argumentiert, dass das Vorhandensein von Verbrennungsanlagen die Abfallvermeidung und das Recycling verhindert. Ein Blick in die internationale Statistik beweist das Gegenteil. Länder, die mit Abfallverbrennungsanlagen gut versorgt sind, können auch den höchsten Anteil bei der stofflichen Verwertung vorweisen. Recycling und umweltverträgliche Restabfallverwertung gehören zusammen. Bekanntlich können nur getrennt und sortenrein erfasste Abfälle mit wirtschaftlich vertretbarem Aufwand zu hochwertigen Produkten verwertet werden. Stoffe in Restabfällen – auch solche, die theoretisch sortenrein erfasst werden könnten – kontaminieren sich gegenseitig, wenn sie einmal in der Restmülltonne gelandet sind. Aus gemischten Restabfällen können derzeit nur in Einzelfällen – z.B. bei Schrott – wieder hochwertige Produkte hergestellt werden. Dies mag sich in Zukunft differenzierter darstellen, wenn die heute schon erkennbaren Entwicklungen in der Abfallaufbereitung zu besseren Ergebnissen hinsichtlich des Verhältnisses von Aufwand zu Ertrag führen werden.

Bei Anerkennung der Prioritäten der Abfallvermeidung und des Recyclings muss berücksichtigt werden, dass wir Schadstoffsenken brauchen, damit Schadstoffe nicht endlos im Kreislauf geführt werden und so die Umwelt ubiquitär kontaminieren.

4. Abfallverbrennungsanlagen

Für die Schaffung umweltverträglicher Schadstoffsenken ist die Abfallverbrennung nach derzeitigem Wissen das Verfahren der Wahl. Nicht nur wird das Restabfallaufkommen deutlich reduziert, auch werden organische Schadstoffe zerstört und anorganische Schadstoffe in kleinen Fraktionen so konzentriert, dass sie sicher von der Biosphäre abgeschlossen gelagert werden können.

In Deutschland werden in 67 Abfallverbrennungsanlagen jährlich rund 19 Millionen Tonnen Restabfälle, die hauptsächlich aus Haushalten und Gewerbe stammen, verbrannt. Aber auch heizwertreiche Fraktionen aus anderen Quellen werden in diesen Anlagen energetisch verwertet. Von 64 untersuchten Anlagen zur thermischen Behandlung und energetischen Verwertung von Abfällen produzieren 44 Anlagen sowohl elektrischen Strom als auch Wärme, neun Anlagen nur elektrischen Strom, weitere neun Anlagen geben ihre gesamte Dampfproduktion an externe Nutzer ab, das sind in der Regel Kraft- oder Heizwerke, und zwei Anlagen produzieren ausschließlich Fernwärme. Von den Anlagen in Deutschland werden rund fünf Millionen MWh Strom und etwa fünfzehn Millionen MWh Fernwärme pro Jahr produziert.

5. Mechanisch-biologische und mechanische Abfallbehandlungsanlagen

Die unter dem Begriff mechanisch-biologische Abfallbehandlung zusammengefassten Verfahren dienen der Vorbehandlung von Restabfällen. Mit diesen Anlagen wird die Verbrennung nicht vermieden, sondern im Verfahrensablauf um eine Stufe nach hinten verschoben. Es werden zwei hauptsächliche Fraktionen – eine Deponiefraktion und eine Ersatzbrennstoff-Fraktion – erzeugt. Zusätzlich wird – wie bei der Abfallverbrennung – Schrott abgetrennt.

In Deutschland gehen etwa 6,5 Millionen Tonnen Hausmüll in mechanisch-biologische und mechanische Abfallbehandlungsanlagen. Daraus werden etwa 46 Prozent als Ersatzbrennstoffe gewonnen. Dazu kommen Ersatzbrennstoffe aus diversen Sortierprozessen, z.B. aus Sortieranlagen für Verpackungsabfälle, Altfahrzeuge, weiße Ware, Bauabfälle und aus Kompostanlagen, aber auch Klärschlämme aus der Abwasserbehandlung.

Zurzeit fallen etwa 3,0 Millionen Tonnen Ersatzbrennstoffe pro Jahr alleine aus den mechanisch-biologischen und mechanischen Abfallbehandlungsanlagen an. Dies ist keine feste Größe. Die Betreiber dieser Anlagen haben es in der Hand, den Siebschnitt zu verändern, sobald es ökonomischer ist, Ersatzbrennstoffe zu vermarkten als den Rest zu verrotten und anschließend zu deponieren. Sofern die Politik das Ziel durchsetzen wird, im Jahr 2020 die Deponierung zu beenden, werden die bislang noch deponierten Abfälle verbrannt werden müssen.

Ersatzbrennstoffe sind ebenfalls Abfälle, die folglich bei ihrer Verbrennung den gleichen Rechtsnormen unterfallen wie nicht vorbehandelte Restabfälle.

Die mechanisch-biologische Abfallbehandlung ist also keine Alternative zur Verbrennung, sondern eine zusätzliche Maßnahme, deren Nutzen für die Umwelt und das Klima sich letztlich herausstellen wird, wenn sie in einigen Jahren optimiert sein wird und ausreichende Erfahrungen vorliegen werden.


6. Ersatzbrennstoff-Kraftwerke

Eine Konsequenz aus dem Bau und Betrieb der mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlagen war der Bau von Verbrennungsanlagen für die Ersatzbrennstoffe aus diesen Anlagen. Auch Ersatzbrennstoff-Kraftwerke sind im Prinzip Abfallverbrennungsanlagen, die allerdings der Qualität der Ersatzbrennstoffe angepasst sind.

Ersatzbrennstoffe werden auch in Zement- und Kohlekraftwerken energetisch verwertet, allerdings in relativ geringen Mengen.

In Deutschland sind zurzeit 30 Ersatzbrennstoff-Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von etwa 4,2 Millionen Tonnen pro Jahr in Betrieb. In diesen Kraftwerken werden außer Ersatzbrennstoffen häufig auch Industrieabfälle mitverbrannt. Die Kapazität für Ersatzbrennstoffe aus Siedlungs- und Gewerbeabfällen liegt bei 3,6 Millionen Tonnen pro Jahr.

Darüber hinaus befinden sich sechs Anlagen mit einer Gesamtkapazität von etwa zwei Millionen Tonnen pro Jahr im Bau. Allerdings werden nur knapp sechzig Prozent dieser Kapazität – das sind etwa 1,2 Millionen Tonnen pro Jahr – für Ersatzbrennstoffe aus Siedlungs- und Gewerbeabfällen zur Verfügung stehen.

Unter Berücksichtigung der noch anstehenden Inbetriebnahmen der im Bau befindlichen Anlagen – ohne Berücksichtigung weiterer hinsichtlich ihrer Realisierung unsicherer
Projekte – werden im Jahr 2011 insgesamt 36 Ersatzbrennstoff-Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 6,2 Millionen Tonnen pro Jahr in Betrieb sein. Die Kapazität für Ersatzbrennstoffe aus Siedlungs- und Gewerbeabfällen wird bei 4,8 Millionen Tonnen pro Jahr liegen.

7. Überkapazitäten

Regelmäßig wird die Frage Überkapazitäten thematisiert. Entgegen anderweitigen Verlautbarungen erwartet die deutsche Bundesregierung für die nächsten Jahre allenfalls geringfügig abnehmende Abfallmengen und keine besorgniserregenden Überkapazitäten bei der Abfallverbrennung. Die Fertigstellung der im Bau befindlichen Ersatzbrennstoffverwertungsanlagen ist nach Meinung des Umweltministeriums für die Entsorgungssicherheit erforderlich. Mögliche Überkapazitäten werden nach Auffassung der Bundesregierung auch nicht zu mehr Abfallimport führen, schon weil die Preise für die Verbrennung in Deutschland höher als für die Deponierung im Ausland sind. Dies gilt auch bei den derzeit sehr günstigen Preisen.

Vom Umweltministerium wird auch nicht erwartet, dass stofflich hochwertig verwertbare Abfälle zur Auslastung von Verbrennungskapazitäten verbrannt werden.

Mit diesen Einschätzungen widerspricht die Bundesregierung den Folgerungen einer Studie der Prognos AG, nach der es in Deutschland mittelfristig zu Überkapazitäten für die thermische Behandlung und energetische Verwertung von Abfällen kommen wird. Ferner ist das Umweltministerium der Auffassung, dass mit der Fertigstellung der im Bau befindlichen Verbrennungsanlagen bis 2010 der noch bestehende Bedarf an Verbrennungskapazität für Ersatzbrennstoffe gedeckt wird.

Zahlreiche Planungen wurden inzwischen eingestellt, weil die dafür benötigten Mengen vertraglich nicht gebunden werden konnten. Voraussichtlich werden nur noch wenige Projekte realisiert werden, weil die Finanzierungsmöglichkeiten für Vorhaben mit nicht langfristig vertraglich gesicherten Mengen schwierig sind. Im Übrigen liegt das wirtschaftliche Risiko von Überkapazitäten bei den Betreibern; allzu große Überkapazitäten werden vor diesem Hintergrund nicht erwartet.

Das Umweltbundesamt hält begrenzte Überkapazitäten von etwa zehn Prozent für die dauerhafte Gewährleistung der Entsorgungssicherheit – zum Ausgleich von Ausfallzeiten durch Anlagenrevisionen, ungeplante Stillstände und Schwankungen der Abfallmengen – sogar für erforderlich.

Wettbewerb gehört zu unserem Wirtschaftssystem. Abfallbehandlungsanlagen, die im Wettbewerb nicht bestehen können, werden ihren Betrieb einstellen, wie das Beispiel einer Anlage in Rotterdam von Essent zeigt. Spätestens bei der Neuausschreibung von Entsorgungsverträgen werden sich die leistungsfähigsten Entsorgungsunternehmen durchsetzen.

Überkapazitäten gibt es zudem nur statistisch. Die Situation ist in Deutschland regional durchaus unterschiedlich. Noch immer gibt es Regionen, aus denen Abfall – auch ins nahe Ausland – exportiert werden muss.

Die Situation muss differenziert betrachtet werden, konjunkturelle Einflüsse und zeitweise Fehlentwicklungen müssen ebenso berücksichtigt werden, wie z.B. technische Alterungsprozesse der Anlagen und Veränderungen der Annahmekriterien der Abnehmer von Ersatzbrennstoffen.

Rund sechzehn Prozent der in Betrieb befindlichen Anlagen gingen vor 1980 in Betrieb und müssen teilweise ertüchtigt werden, soweit dies wirtschaftlich vertretbar ist. Einige Anlagen werden nach Auslaufen der kommunalen Verträge auf dem Prüfstand stehen, wie Jörg Zunft darlegt.

Die derzeitigen Überkapazitäten stellen auch die für die zuverlässige Abfallentsorgung notwendigen Behandlungskapazitäten sicher. Das gegenwärtig schwache Gewerbe- und Industrieabfallaufkommen ist hauptsächlich eine Folge der schwachen Konjunktur, wodurch die Mengen um zwanzig Prozent gesunken sind. Das macht ungefähr eine bis 1,5 Millionen Tonnen pro Jahr aus. Mit dem erwarteten Wirtschaftswachstum werden die Mengen wieder zunehmen.

Darüber hinaus werden moderne Kohlekraftwerke auf Ersatzbrennstoffe aus Abfällen verzichten. Zementwerke stellen hohe Anforderungen an den Aufbereitungsgrad von Ersatzbrennstoffen; der dafür notwendige Aufwand wird sich auch auf die Preise auswirken.

Illegal abgelagerte Abfälle machen etwa zehn Prozent der Verbrennungskapazität aus. Mit verbesserter Überwachung werden diese Abfälle zum großen Teil verbrannt werden.

Zu schaffen machen die gesunkenen Preise für die Abfallbehandlung, so dass mit der Schließung kostenintensiver und nicht ausgelasteter Anlagen gerechnet wird.

In Einzelfällen werden Verbrennungskapazitäten für vierzig Euro pro Tonne angeboten. Dieses Preisniveau wird sich nicht durchsetzen, weil damit die Anlagen nicht wirtschaftlich betrieben werden können.

Mittelfristig wird eine ausgeglichene Bilanz von Aufkommen und Verbrennungskapazität erwartet.

8. Abfallimport

Der Import größerer Mengen an Verbrennungsabfällen aus Nachbarländern erscheint auch in Zukunft – abgesehen von Notstandssituationen wie in der Region Neapel im Jahr 2008 – schon aus wirtschaftlichen Gründen unrealistisch.

Abfallimport wird von einigen Organisationen zu Unrecht als umweltschädlich dargestellt. Es ist im Gegenteil aus Gründen des Umwelt- und Klimaschutzes zu begrüßen, wenn anstelle einer ungeordneten, unhygienischen und klimaschädlichen Ablagerung in benachbarten Ländern der Abfall nach Deutschland gebracht und hier in umweltverträglichen und energieeffizienten Anlagen verbrannt wird.

Nicht richtig ist die Bezeichnung dieser Abfallimporte als Mülltourismus. Anstelle eines kleinkarierten Regionaldenkens sollte berücksichtigt werden, dass es sich um eine Welt handelt. Klimaschutz ist keine regionale Aufgabe. Die Verhinderung von ungeordneter Ablagerung in Europa durch Import von Abfällen zur Verbrennung nach Deutschland ist ein Beitrag zum Klimaschutz, dessen Ziele hier durch umweltgerechte Entsorgung besser erreicht werden, als durch Diskussionen über noch vorhandene und noch nicht behobene Defizite der Abfallentsorgung im Ausland. Es wäre natürlich wünschenswert, wenn schon alle Länder in Europa über ähnliche Entsorgungsstandards verfügen würden, wie die abfallwirtschaftlich hoch entwickelten Länder.

Bei den als Mülltourismus verunglimpften Abfallimporten handelt es sich nur zu einem geringen Teil um Abfälle zur Verbrennung. Die Abfallstatistik der letzten Jahre zeigte für die Verbrennungsabfälle ein in etwa ausgeglichenes Verhältnis von Import- zu Exportmengen.

9. Nachbarländer

Vergleichbar hohe Standards werden mit Sicherheit in einigen Nachbarländern – z.B. in England, Finnland, Italien, Polen, Portugal und Spanien – schon im kommenden Jahrzehnt, in anderen Ländern, z.B. in den meisten neuen EU-Ländern, in den kommenden zwanzig Jahren erreicht werden.

Die Abfallwirtschaft – insbesondere die Rolle der Abfallverbrennung – wird für Großbritannien von Roll und Streisselberger sowie für Polen von Pajak beschrieben.

Für Großbritannien wird ein ähnlicher Kapazitätsausbau wie in Deutschland vorhergesagt. Großbritannien verfügt erst über etwa die Hälfte der durchschnittlichen Verbrennungskapazität der EU-Länder oder ein Viertel der Verbrennungskapazität von Deutschland. Hier wird die Größe dieses Marktes mit einer wahrscheinlichen Wachstumsrate von zehn Prozent hervorgehoben. Diese Entwicklung wird nicht zuletzt durch die hohe Deponiesteuer von achtzig Euro pro Tonne gefördert.

Tadeusz Pajak, der im Ausland bekannteste Kenner der polnischen Abfallwirtschaft, zeigt den Planungsstand der zwölf vorgesehenen Abfallverbrennungsanlagen auf und äußert seine Besorgnis über die derzeitigen Planungsfortschritte. Nach seiner Einschätzung besteht nur für sieben Projekte eine reale Chanche, dass sie bis zum Auslaufen der Frist am 30. Juni 2010 die Einreichung der Unterlagen beim Kohäsionsfonds fertigstellen werden.

Die stufenweise Erlangung hoher Umweltstandards in den verschiedenen Ländern Europas hat auch Vorteile. Die Länder, die den Bau energieeffizienter und umweltschonender Abfallverbrennungsanlagen noch vor sich haben, können von den Erfahrungen profitieren, die durch die Entwicklungen der letzten Jahre erreicht wurden und in den kommenden Jahren durch Steigerung der Energieeffizienz und Verfügbarkeit noch erreicht werden.


10. Anlagenbau

Die veränderte Situation in Europa und die Perspektiven des Anlagenbaus in hinsichtlich der Abfallwirtschaft wenig entwickelten Ländern beleuchtet Johannes Martin, der u.a. nochmals die Notwendigkeit der Abfallverbrennung in einer ökologisch und ökonomisch funktionierenden Kreislaufwirtschaft herausstellt. Weltweit werden die Abfallmengen in den nächsten zwanzig Jahren um ein Drittel höher liegen als heute. Dazu werden insbesondere die großen Schwellenländer beitragen. Die Zielmärkte liegen in einigen Ländern Europas, in Asien und in Amerika. Insbesondere für die Vereinigten Staaten wird eine Renaissance der Abfallverbrennung vorhergesagt. In Asien wird China der hauptsächliche Markt für neue Anlagen sein.

In Deutschland werden mit Sicherheit in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren kaum neue Abfallverbrennungsanlagen und nicht mehr viele Ersatzbrennstoff-Kraftwerke gebaut werden. Einige Abfallverbrennungsanlagen werden vielleicht geschlossen werden, bei anderen werden Ersatzmaßnahmen notwendig sein. Für den Anlagenbau ist zunächst der Boom in Deutschland vorbei; ein ordentliches Geschäft werden dennoch die Ersatzmaßnahmen sein. Einige Firmen des Anlagenbaus werden Biomassekraftwerke bauen. Die große Herausforderung für den deutschen Anlagenbau wird aber die Teilhabe bei der Errichtung von energieeffizienten Abfallbehandlungsanlagen im Ausland sein.


11. Energieumwandlung

Durch Verbrennung von Restabfällen und Ersatzbrennstoffen wird Energie als Strom und Wärme gewonnen. Die gewonnene Energie macht zwar nur einen geringen Teil des Gesamtenergiebedarfs von Deutschland aus, doch wird damit in einigen Regionen ein erheblicher Anteil zur Grundlast beigesteuert.

Die Energiegewinnung aus Restabfällen durch Verbrennung ist wegen des hohen Anteils an regenerativen Stoffen zu mehr als fünfzig Prozent klimaneutral.

Im Fokus der Entwicklung von Abfallverbrennungsanlagen stehen

• die Verringerung der Schadstoffemissionen,
• die Erhöhung des Anlagenwirkungsgrades,
• die Verbesserung der Energieausnutzung,
• die Senkung der Betriebskosten,
• die Erhöhung der Verfügbarkeit und der Betriebsstunden.


12. Recht

Das Thema Recht wird eingeleitet mit dem Beitrag über die neue Industrie-Emissionsrichtlinie von Professor Andrea Versteyl, wobei sie insbesondere die zukünftig höhere Bedeutung der BVT-Merkblätter und die damit einhergehenden Probleme herausarbeitet.

Zu Ausschreibungen und Vergabe von Bauaufträgen sowie zur Gestaltung von Anlagenbauverträgen äußern sich Heike Glahs und Burkhard Messerschmidt ausführlich.

Ergänzt wird der rechtliche Bereich von Martin Treder mit Ausführungen über die Bedeutung der Energie- und Klimaschutzgesetzgebung. Für die Abfallverbrennung wird der Inhalt des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes und des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes interpretiert. In allen drei Gesetzen wird Siedlungsabfall als Brennstoff anerkannt.


13. Beurteilung der Entsorgungssituation in Deutschland

Zusammen mit den Kapazitäten der mechanisch-biologischen Abfallbehandlung und den etwa 1.000 Sortieranlagen für unterschiedlichste Siedlungs- und Gewerbeabfälle ist Deutschlands Kreislauf- und Abfallwirtschaft im internationalen Vergleich gut aufgestellt. Ein ähnliches Niveau können wenige Länder, z.B. Belgien, Dänemark, Frankreich, die Niederlande, Österreich, Schweden und die Schweiz, vorweisen.

Zusammenfassend: Die Abfallverbrennung ist ein unverzichtbarer Teil einer verantwortungsbewussten Abfall- und Kreislaufwirtschaft. Sie trägt zum Klima- und Umweltschutz sowie zur Energieversorgung bei. Nach derzeitigem Stand kann die Abfallverbrennung durch kein anderes Verfahren ersetzt werden.


14. Optimierung von Abfallverbrennungsanlagen

Energieeffizienz, Qualitätsmanagement und Anlagenverfügbarkeit stehen im Mittelpunkt des zweiten Tages dieser Konferenz. Themenschwerpunkte sind technische Maßnahmen für Gesamtanlagen und Betriebseinheiten, aber auch organisatorische und rechtliche Maßnahmen werden in drei Parallelsitzungen abgehandelt.

Eingeleitet wir die Sitzung zu den Abfallverbrennungsanlagen mit einer Betrachtung der Optimierung von Biomasse- und Verbrennungsanlagen durch Monitoring. Übergeordnete Gesichtspunkte sind die Restrukturierung eines Energiestandorts und die Verbrennungsbedingungen der 17. BImSchV für Wirbelschichtfeuerungen.

Wirkungsgradsteigerung und Effizienzsteigerung werden in vier Beiträgen abgehandelt. Die Bedeutung flexibler Anlagen für gemischte Abfälle und Ersatzbrennstoffe wird ebenso dargestellt wie besondere Einzelmaßnahmen, z.B. zur Optimierung der Feststoffverbrennung und des Abgasausbrands mit bildbasierter Technik, schadstoffarmes Anfahren von Abfallverbrennungsanlagen mit Aufheiz- und Stützbrennern, die Auswirkungen wechselnder Abfallqualitäten sowie die Bedeutung des Rostbelags.

15. Dampferzeuger und Turbinen

Wesentliche Bereiche für die Steigerung der Energieeffizienz sind die Dampferzeuger und die Turbinen. Zum erstgenannten Thema gibt es allein neun Beiträge, z.B. über Kesselkonzepte, Optimierungspotentiale, Korrosionsbefunde, Online-Überwachung, Kesselverschmutzung und -reinigung. Im Zusammenhang mit der Reduzierung von Anlagenschäden durch Korrosion stehen die Artikel über Schweißplattieren und Feuerfestauskleidung. Die Beiträge über die Verfügbarkeit der Anlagenkomponenten Dampferzeuger und Turbine sowie Turbinenerneuerung runden dieses Kapitel ab.


16. Alternativen
Als Beispiele für alternative Verfahren werden die biomassebasierte Synthesegaserzeugung und -reinigung und ein Sauerstoff-Schmelzvergasungsverfahren für Klärschlamm vorgestellt.


17. Effizienz der Abgasbehandlung

Das Kapitel Abgasreinigung wird mit einer umfangreichen Darstellung dieser Verfahrenstechnik eingeleitet. Dieser auf den Seiten 453 bis 617 abgedruckte Artikel ist eine Einladung an Fachfirmen und Fachleute zur Kooperation bei unserem aktuellen Vorhaben, die Abgasbehandlung umfassend darzustellen. Die Autoren wären zu großem Dank für das Aufzeigen von Lücken und Fehlern sowie für Ergänzungen verpflichtet.

Auch die acht Einzelbeiträge zur Abgasbehandlung stehen unter dem Leitmotiv Energieeffizienz, Qualitätsmanagement und Anlagenverfügbarkeit. Behandelt werden kumulierter Energieaufwand, Vergleich verschiedener Systeme, Wärmerückgewinnung, Leistungsfähigkeit der katalytischen und nichtkatalytischen Abgasreinigung.